Happenbacher Geschichte

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Geschichte und Geschichten

Von der BÜRGERINITIATIVE Abenteuerspielplatz
zum Spielplatz KAUDENWALD HAPPENBACH e. V.


GESCHICHTE / URSPRUNG:
Im Frühjahr 1975 wurde auf Anregung von Frau Gisela Berret im Elternbeirat der Grundschule Abstatt die Idee geboren, nach schwedischem Modell in Eigeninitiative einen Abenteuerspielplatz für die Schulkinder der Gemeinde Abstatt zu bauen. Zur Finanzierung dieses Projekts wurde beschlossen, in Abstatt ein Straßenfest zu veranstalten. Aufgabe der Gemeinde war es, ein geeignetes Gelände zu beschaffen. Bei der Geländewahl gab es Probleme, weil zwischen den beiden Ortsteilen kein Standort gefunden werden konnte und der projektierte Abenteuerspielplatz südlich der Schozach entstehen sollte. Die Happenbacher Elternvertreter waren damit nicht einverstanden, weil es ihren Kindern nicht zumutbar war, den zwei Kilometer entlegenen Spielplatz zu besuchen. Deshalb wurde die Gemeindeverwaltung beauftragt, auch für Happenbach einen geeigneten Platz zu suchen.
Ortsnachrichten vom 13. Juni 1975:
Bürgerinitiative Kinderspielplätze Abstatt und Happenbach
Liebe Abstatter und Happenbacher Mitbürger,
in den letzten Ortsnachrichten haben wir Sie davon unterrichtet, daß die von den Elternbeiräten der Abstatter Schule und des Kindergartens gegründete „Bürgerinitiative“ aus eigener Kraft und mit Hilfe der kinderfreundlichen Einwohnerschaft unserer Gemeinde je einen vorbildlich ausgestatteten Abenteuerspielplatz in Abstatt und Happenbach erstellen wird.
Der Standort des Abstatter Abenteuerspielplatzes wird jenseits der Schozach sein. In Happenbach ist ebenfalls eine günstige Lage in unmittelbarer Nähe des Wohnbereichs vorgesehen, so daß die „ elterliche Aufsicht am langen Zügel“ erfolgen kann.
Die Gestaltung soll nach modernen Erkenntnissen vor sich gehen; mit der Detailplanung wurde der Architekt Wolfgang Oehlert betraut, der sich in den Dienst der guten Sache gestellt hat.
Zum Aufgalopp findet am Samstag, den 21. Juni 1975 das 1. Abstatter Straßenfest statt. Die Mitarbeiter der „Bürgerinitiative“ freuen sich sehr, für alle Abstatter und Happenbacher, für Große und Kleine, das 1. Abstatter Straßenfest veranstalten zu dürfen; wir sind sicher, daß es Ihnen bei uns gefallen wird!
Ihre Bürgerinitiative Kinderspielplätze
Abstatt und Happenbach
gez. Manfred Sauter

Mit dem Erlös des 1. Abstatter Straßenfestes und einer großzügigen Spende der Kreissparkasse Heilbronn wurde der finanzielle Grundstock des Projektes „Abenteuerspielplätze“ gelegt. Das Straßenfest hatte einen unerwartet großen Erfolg, so war es nicht verwunderlich, daß sich in den Folgejahren weitere örtliche Vereine hinzugesellten. Bis zum Jahr 1989 beteiligte sich die Bürgerinitiative, später der Verein Kaudenwald, ununterbrochen am Straßenfest. Der eigentliche Ursprung ist trotz der auf der ersten Veranstaltung basierenden Weiternumerierung der nachfolgenden Straßenfeste längst in Vergessenheit geraten.
Nachdem ein finanzieller Grundstock vorhanden war, gab die Gemeindeverwaltung auch den Happenbacher Elternvertretern Kurt Kleis und Dieter Thiele grünes Licht im Gewand Kaud(t)enwald mit dem Spielplatzbau zu beginnen.
Unabhängig von den Schwierigkeiten, aus einem sumpfigen und mit Bauschutt belasteten Gelände einen Spielplatz zu gestalten, gab es in der Bauphase (ab Frühjahr 1976) noch folgende Probleme:
1. Die alteingesessenen Happenbacher betrachteten die Bauarbeiten der Neubürger mit sehr skeptischer Miene - „Was soll denn das werden?“
2. 21 Happenbacher Jugendliche richteten im März 1976 eine Resolution an die Gemeinde Abstatt und die Verantwortlichen der Bürgerinitiative mit dem Inhalt, daß das Geplante nicht ihren Wünschen entsprach - „Wir sind für einen Kickplatz auf dem Spielplatz Happenbach!“
Die Jugendlichen wurden vor den Gemeinderat zitiert und mit dem Hinweis nach Hause geschickt, daß die Planung und die Baumaßnahmen der Spielplätze abgeschlossen seien und man sich früher um einen Bolzplatz hätte kümmern müssen.
3. Es sollte jedoch noch schlimmer kommen - im August 1976 erhielten die aktiven „Bürgerinitiativler“ von einem Rechtsanwalt ein Schreiben mit folgendem Inhalt:
...“Auf dem Grundstück meines Mandanten wurden in jüngster Zeit von unbekannter Seite umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen. Nachfragen bei der Gemeindeverwaltung Abstatt wurden dahingehend beantwortet, man wisse von nichts...“
“....Falls über den Vorgang kein Aufschluß erlangt werden kann, wird ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt eingeleitet. Ab sofort ist es der „Bürgerinitiative“ untersagt, das Grundstück zu betreten und weitere Arbeiten auszuführen. Bei Zuwiderhandlung wird Strafanzeige erstattet....“
Im guten Glauben hatte man für einen Spielplatz gearbeitet - sollte dies nun das Ende sein? Man muß den Mut und die Ausdauer bewundern, daß die Männer der ersten Stunde unter diesen Voraussetzungen weitermachten. So wendeten sich die schlechten Vorzeichen doch noch zum Guten. Auf die jungen „Rebellen“ wurde mit der Bedingung zugegangen, daß der „Bolzplatz“ verwirklicht wird, wenn sich die Jugendlichen an den Baumaßnahmen beteiligen. Als erste gemeinsame Aktion wurde ein Brücke über den Happenbach gezimmert.
Die Gemeinde bemühte sich mit Erfolg, das komplette Gelände für die Bürgerinitiative nachträglich zu erwerben.
Aus räumlichen, organisatorischen und finanziellen Gründen trennte sich die ursprünglich gemeinsame Bürgerinitiative Abstatt/Happenbach in zwei Initiativen, die sich jeweils um den örtlichen Spielplatz kümmerten. Im Juli 1980 wurde in der Presse unter der Überschrift „Eine Bürgerinitiative ging kaputt“ zu unserem Bedauern leider bekanntgegeben, daß unser „Zwillingsbruder“ in Abstatt mangels Interesse und freiwilligen Helfern nicht mehr existierte.
EINWEIHUNG
Unter der Überschrift „EIN SPIELPLATZ FÜR ALLE HAPPENBACHER“ erschien am 21. Mai 1977 ein Bericht in der HSt, daß die Bürgerinitiative nach einjähriger Bauzeit den Spielplatz fertigstellte und zu einem Einweihungsfest einlud. Nach den Vorstellungen der Bürgerinitiative soll der Platz nicht allein den Kindern zum Vergnügen und zur sportlichen Betätigung dienen, sondern auch Erwachsenen die Möglichkeit zum Ballspielen oder einfach zum Ausruhen und Entspannen geben. Als Hauptattraktion fand ein Fußballspiel zwischen dem Gemeinderat und der Bürgerinitiative statt. Der Posaunenchor Happenbach sorgte für den musikalischen Teil der Feier. Ein Schild mit dem endgültigen Namen SPIELPLATZ KAUDENWALD wurde feierlich enthüllt.
Mit der Einweihung des Spielplatz Kaudenwald war die Arbeit nicht getan, sondern sie begann eigentlich erst. Wer sollte sich künftig um die Anlage kümmern - Gemeinde oder Bürgerinitiative? Wie soll die notwendige finanzielle Unterstützung erfolgen? In der Einweihungsfestrede wurde von einer geplanten Hütte gesprochen - wer plant und finanziert dies? Es gab außer den „Startspenden“ keine finanziellen Mittel oder Beiträge und keine Vereinsstrukturen - aber jede Menge Kreativität, Idealismus und das Bewußtsein unter schwierigen Voraussetzungen etwas Sinnvolles geschaffen zu haben.
SPIELPLATZGREMIUM
Nachdem die jugendlichen „Rebellen“ zu den ursprünglichen Bürgerinitiativlern gestoßen waren wurde das Spielplatz-Gremium konstituiert. Die erste Sitzung fand bereits am 26. Mai 1976 in der Happenbacher Schule statt. Sinn und Zweck dieses Gremiums war es, die Gestaltung und Planung des Spielplatzes in regelmäßigen Abständen zu besprechen. Einen Vorstand hielt man für überflüssig. Als Schriftführer hatte sich Hans-Ulrich Agster angeboten, Kurt Kleis erklärte sich bereit, die Kassengeschäfte zu übernehmen. Wichtig war es, daß im monatlichen Wechsel zwei Platzordner eingeteilt wurden. Folgende Personen nahmen an der ersten Gremiumssitzung teil:
Kurt Kleis, Dieter Thiele, Alfred Kübler, Alfred Ossmann, Helmut Nothdurft, Klaus Becker, Walter Moser, Bernd Winkler, Martin Schönfeld, Hans-Ulrich Agster und die Gemeinderäte Rolf Unkauf und Günther Bäuerle.
Der Teilnehmerkreis wurde bis zur Einweihung noch um Gerhard Pfistert, Leo Kampka, und José Pereira erweitert.

AUSZEICHNUNG
Auch im Regierungspräsidium Stuttgart wurden die Aktivitäten bekannt. Mit Schreiben vom 13. Febr. 1979 hat das Land Baden-Württemberg durch Regierungspräsident Bulling die Bürgeraktion
Bürgerinitiative Kinderspielplatz Happenbach
bei dem Wettbewerb „Auszeichnung von kommunalen Bürgeraktionen“ bereits für das Jahr 1978 mit einer Urkunde gewürdigt. In einem Begleitschreiben heißt es, daß die Auswahlkommission mit großem Interesse von den Leistungen und dem persönlichen Einsatz Kenntnis genommen hat.
Vielleicht war dies auch ein weiterer Ansporn, denn es ist erstaunlich was dieses Gremium beziehungsweise die Bürgerinitiative nach der Einweihung des Spielplatz Kaudenwald in relativ kurzer Zeit noch geschaffen hat.
KAUDENWALDHÜTTE
Noch während des Baus des Spielplatzes kam immer wieder der Gedanke nach einer Hütte auf. Man wollte
die Werkzeuge und Geräte auf dem Platz belassen und nicht immer mitschleppen. Gesagt, getan:
Gremiumsbeschluß 22. August 1977, Grundsteinlegung 7. Juli 1979, Aufstellung (Rohbau) 23. Februar
1980, Einweihung 14. Dezember 1980. Doch schon bei der Fertigstellung war klar, in solch einer schönen Block-
hütte läßt es sich auch ganz schön feiern - als Geräteschuppen viel zu schade.

KAUDENWALDFEST
Außer der Beteiligung am Abstatter Straßenfest gab es keine Einnahmen. Dies reichte jedoch nicht für
weitere Planungen, wie Hüttenbau, Verbesserung der Infrastruktur etc. Aus dieser Situation heraus wurde
im Februar 1978 das Kaudenwaldfest als Sommer- und Kinderfest beschlossen. Dies schuf dann
nicht nur eine finanzielle Basis, sondern es bot auch die Möglichkeit, mit den Kindern und Bürgern in Kontakt
zu treten. Die Kinder-Olympiaden, das Märchentheater, das Feuerwerk, der Ökumenische Gottesdienst,
der Ballon-Wettflug, die Kaudenwald Dance Company, das vielseitige Musikprogramm und viele andere Attraktionen machten das Kaudenwaldfest weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt.

FUßBALLPOKALTURNIER
Stein des Anstoßes war für die Jugendlichen der ursprünglich fehlende Bolzplatz. So ist es nicht verwunderlich, daß das Hobbyfußballspielen bis heute ein wichtiger Impuls war und ist. Bei den ersten elf Kaudenwaldfesten war die Hauptattraktion das Fußballspiel: Gemeinderat Abstatt gegen die Bürgerinitiative Happenbach. Darüber hinaus besuchten nicht nur die Herren, sondern mit Erfolg auch die Damen des Kaudenwalds, Turniere für Hobbyfußballer. Eine feste Einrichtung wurde deshalb auch das seit 1981 stattfindende Kaudenwald-Pokalturnier für „Laienkicker“, bei dem der Spaß am Spiel im Vordergrund steht. Gemäß dem Turniermodus muß ein Team den Wanderpokal dreimal gewinnen um ihn behalten zu dürfen. Dies gelang bisher nur dem Team der Feuerwehr Happenbach.
SPIEL- und SPORT
Um auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen nicht nur auf das Spielplatzgelände angewiesen zu sein,
veranstalten wir seit April 1979 einen SPIEL- und SPORTABEND in der Wildeckhalle. Es war für andere Vereine anfangs nicht ganz einfach, uns als neue Gruppe dort zu akzeptieren.

GOLDWÄSCHERFAHRT
Nach sieben Jahren Arbeit wollte man die Vorhaben etwas schneller finanzieren und kam auf die Idee, in einem Wildbach in Bramboden/Schweiz nach Gold zu suchen. Leider hatte die Suche keinen Erfolg, so daß die Fahrt vom 20. - 23. Mai 1982 als erster, wunderschöner Ausschuß-Ausflug in die Kaudenwald-Geschichte einging.

BRUNNENBAU
Trotz vieler Drainagen verwandelte sich der Spielplatz im Frühjahr 1983 sukzessive in ein Sumpfgelände, selbst das Kaudenwaldfest war gefährdet. Kurzerhand wurde entlang des Abhangs ein großer Graben ausgebaggert. Nachdem sich sehr viel Wasser in dem Graben sammelte, entschlossen wir uns den Ablauf über einen ständig fließenden Brunnen in den Happenbach zu leiten. Die Einweihung erfolgte im Juni 1983.

STROMANSCHLUSS
Das Heizen der Kaudenwaldhütte mit einem Gasofen, die Beleuchtung mittels einer Lastwagenbatterie oder Kerzen und die Stromversorgung beim Kaudenwaldfest mit Hilfe eines Aggregats erwiesen sich als unbefriedigende Lösungen. Nachdem sich die Gemeinde bereit erklärt hatte, die Anschluß- und Materialkosten zu übernehmen, wurden in zwei Bauabschnitten am 13. April und 11. Mai 1985 700 Meter Stromkabel verlegt. 30 Männer waren im Einsatz , die Firmen Pfistert und Unkauf stellten die Maschinen kostenlos zur Verfügung.

WASSERANSCHLUß
Am 12. Februar 1986 trat die „Fa. Kaudenwald“ erneut in Aktion, um die noch fehlende Wasserversorgung zu ergänzen. Vom Schacht am Waldrand wurde eine Wasserleitung direkt zum Spielplatz installiert.



VERANSTALTUNGEN FÜR KINDER
Neben dem vielseitigen kulturellen Angebot beim Kaudenwaldfest übernahm das Spielplatzgremium seit Okt.
1978 auch den anläßlich der Happenbacher Kirwe stattfindenden FACKEL- und LAMPIONUMZUG mit dem Musikverein Talheim.
Zu Beginn 1981 noch in der Kaudenwaldhütte findet seit 1984 die NIKOLAUSFEIER in der Happenbacher Schule statt. Nach dem Bau eines Kindergartens in Happenbach wurde es ab 1989 eine Gemeinschafts-veranstaltung mit dem Kindergarten Happenbach.

VEREINSGRÜNDUNG
Die Bürgerinitiative Spielplatz Kaudenwald Happenbach hatte sich bestens bewährt, jedoch war es aus Gründen der Kontinuität, Rechtsunsicherheit, Haftungs- und zusehends auch von steuerlichen Fragen an der Zeit, über eine Vereinsgründung nachzudenken. Das Gremium kam zum Ergebnis, daß eine Vereinsgründung notwendig ist, um die Spielplatzanlage auch in Zukunft zu erhalten und zu pflegen. Mittels einer Satzung konnte der Zweck des Vereins, die Rechte und Pflichten der Mitglieder und die Vertretung auch nach außen klar geregelt werden. Folgende zwölf Gremiumsmitglieder gründeten am 24. Juni 1985 in der ehemaligen Schule in Happenbach den Spielplatz KAUDENWALD HAPPENBACH e. V.:
Dietrich Thiele, Kurt Kleis, Thomas Thiele, Jürgen Neureuther, Gerhard Pfistert,
Bernd Winkler, Edgar Braunbeck, Friedrich Flaig, Helmut Nothdurft,
Alfred Ossmann, José Pereira und Martin Schönfeld.
Der Verein wurde am 25. Juli 1985 unter der Register-Nr. 1635 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Heilbronn
eingetragen. Am 5. Dezember 1985 bestätigte das Finanzamt die Gemeinnützigkeit der Satzung.

Spielplatz KAUDENWALD HAPPENBACH e. V.
In § 2 wurde der Zweck und die Gemeinnützigkeit des Vereins wie folgt beschrieben:
Der Satzungszweck wird verwirklicht, insbesondere durch
a) die Gestaltung und Pflege eines Spielplatzes auf
Fl.st.-Nr. 7128, 7129, 7131 und 7132 der Markung
Abstatt-Happenbach, zus. 53,04 a mit der Bezeichnung
Spielplatz Kaudenwald,
b) Förderung von Sport, Spiel und Freizeitgestaltung,
c) Förderung des örtlichen Gemeinschaftslebens, des
Umwelt- und Naturschutzes.
Der Vorstand bestand ursprünglich aus 3 Personen, die auf 3 Jahre gewählt wurden:
1. Vorsitzender Kurt Kleis
2. Vorsitzender Dietrich Thiele
Kassier Martin Schönfeld
Danach begann eine interessante und stürmische Zeit, wobei der noch junge Verein aufgrund der Bürgerinitiative-Erfahrungen doch recht schnell das Laufen lernte.
GRUNDSTÜCKSKAUF
Über das bisherige Gelände bestand seit 26. September 1980 ein Pachtvertrag zwischen der Bürgerinitiative und der Gemeinde Abstatt. Dieser Vertrag wurde dann am 29. September 1987 mit dem eingetragenen Verein aktualisiert und erneuert. Unabhängig davon wurden wir bereits kurze Zeit nach der Vereinsgründung von einem angrenzenden Nachbarn vor die Entscheidung gestellt, seine Wiese zu kaufen. Aufgrund der frisch erlangten Rechtsfähigkeit war es möglich, am 7. Oktober 1985 das obere Gelände mit 31,58 a für den Verein zu erwerben.

GRÜNDUNGSSCHWIERIGKEITEN
Bevor ein neues Mitglied eingetreten war, beantragten die bisherigen Gremiumsmitglieder eine außerordentliche
Mitgliederversammlung (21. Oktober 1985). Wegen der Regelung, daß die Mitglieder künftig einen Beitrag zu
zahlen haben, wurde sogar die Wiederauflösung des Vereins in Erwägung gezogen. Auf Vorschlag von Klaus
Bletz wurden alle bisherigen Gremiumsmitglieder unabhängig von der Teilnahme bei der Vereinsgründung zu
Gründungsmitgliedern ernannt und zunächst von einer Beitragszahlung befreit. Darüber hinaus gab es Probleme,
weil beim Finanzamt ein solcher Verein bisher nicht aktenkundig war und 3 Jahre rückwirkend Kassenabschlüsse
nachgewiesen werden mußten. Auch diese Hürde konnte gemeistert werden.


SCHEUNEN- und TOILETTENBAU
Die Größe der Anlage und die steigende Popularität des Kaudenwaldfestes schafften sehr bald große Probleme
hinsichtlich der Aufbewahrung der Gerätschaften und wegen der großen Besucherzahl auch hinsichtlich der sanitären Situation. Die Kaudenwaldhütte und das vorhandene Plumpsklo waren diesbezüglich völlig überfordert beziehungsweise ungeeignet. Deshalb wurde auf Anregung und Unterstützung der Gemeinde im Frühjahr 1987 ein Toilettenhaus und parallel dazu auch ein Geräteschuppen, dieser jedoch auf dem oberen Gelände, geplant. Wegen des Einspruchs eines Angrenzers hat sich die Planung nicht im ursprünglichen Sinne realisieren lassen. Zunächst wurden 1987 die Toilettengrube gebaut und die Baumaßnahme planerisch so abgeändert, daß sowohl die Toiletten als auch der Geräteschuppen am unteren Standort unter einem Dach erstellt werden konnten. Trotz der zeitlichen Verzögerung war dies für alle Beteiligten eine gute Lösung. Die Scheune wurde am 22. Oktober 1988 aufgestellt und in der Folgezeit ausgebaut.

VERANSTALTUNGEN
Nachdem der Verein für die Kinder so viel getan hatte, besann man sich auch auf die älteren Mitbürger. Am 22. März 1987 fand im Happenbacher Schulsaal der 1. FRÜHLINGSKAFFEE-NACHMITTAG statt. Die jungen
Kaudenwäldler und später die Jugendmusikschule erfreuen seit dieser Zeit jeweils zum Frühlingsbeginn die
älteren Happenbacher Mitbürger.
Eher aus der Notwendigkeit heraus die Obhut des Spielplatz zu wahren, entwickelte sich die MAIFEIER, die am 1. Mai 1987 zum ersten Mal als Tag der offenen Tür stattfand. Zwischenzeitlich wurde dieser Termin zu einer festen Einrichtung, da der Spielplatz Kaudenwald Ziel vieler Maiwanderungen geworden ist. Seit 1992 sorgt der
Musikverein Ilsfeld für die musikalische Unterhaltung.

UNTERSTÜTZUNG VON ÖFFENTLICHEN EINRICHTUNGEN
Seit vielen Jahren hatten sich auch Mitglieder des Vereins, allen voran Klaus Bletz für einen Kindergarten in Happenbach eingesetzt. Noch bevor der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluß gefaßt hatte, entschied der Spielplatzausschuß am 16. März 1987, daß 20 % des Gewinns beim Straßen- und Kaudenwaldfest zur
Unterstützung eines Kindergartens in Happenbach zur Verfügung gestellt werden. Beim Straßenfest wurde die
Aktion „1 Luftballon für den Kindergarten Happenbach“ gestartet. Bei der Einweihung am 20. August 1989 konnte der 1.Vorstand Kurt Kleis 3.000 DM überreichen.
Aufgrund der Unterstützung bei Veranstaltungen des Kaudenwalds und auch weil der Abteilungskommandant Walter Moser als Gründungsmitglied im Ausschuß des Kaudenwalds war, entstand ein guter Kontakt mit der Feuerwehr Happenbach. Selbstverständlich hatten wir deshalb auch Verständnis, als es in den Jahren 1987/88 ein Problem gab, innerhalb der Feuerwehr Abstatt eine eigene Abteilung zu bilden. Auch wenn diese Unterstützung nicht überall auf Gegenliebe stieß, so hatte sie letztendlich Erfolg.

AUSZEICHNUNG
Im Jahr 1989 erhielt auch der Spielplatz KAUDENWALD HAPPENBACH e. V. für seinen Einsatz bei dem Wettbewerb kommunaler Bürgeraktionen durch das Regierungsspräsidium Stuttgart des Landes Baden-Württemberg eine Auszeichnung.

PFLANZPATENSCHAFTEN
Ende 1989 erhielten wir vom Land Baden-Württemberg einen Förderungszuschuß zum Kauf eines Grundstücks am Happenbach entlang bis zum Wald zwecks Maßnahmen zur Landschaftspflege. Nachdem das Grundstück erworben werden konnte, wurde am 1. Dez. 1990 in Zusammenarbeit mit Herrn Kübart vom Forstamt Untergruppenbach und 35 Kindern das Gelände entsprechend einem Pflanzplan bepflanzt. Die Kinder haben jeweils für ihren Baum bzw. die jeweiligen Strauchgruppen die Patenschaft übernommen. Dies wurde mit einem entsprechenden Schild vor Ort auch dokumentiert. Als Belohnung für diese Aktion erhielten die Kinder 1991 den Umweltpreis der Gemeinde Abstatt. Am 18. Mai 1991 wurde die unbepflanzte Fläche von circa 10 Ar mit Grassamen eingesät, so daß ursprüngliches Ackerland wieder zur Wiese wurde.

IRISH FOLK FESTIVALS
Über die guten Kontakte zum Deutsch-Irischen Freundeskreis Baden-Württemberg wurden wir animiert, auf dem für solch einen Zweck hervorragend geeigneten Spielplatzgelände, auch kulturell Akzente zu setzen. So fand am 15. September 1990 das 1.IRISH FOLK FESTIVAL im Kaudenwald statt, das zwischenzeitlich in der Szene zum Begriff geworden ist. Im 3jährigen Turnus wurde dieses Festival zum Bestandteil des kulturellen Angebots im Unterland mit internationalen Folk-Stars nicht nur aus Irland, sondern auch aus Schottland, England und den USA. Weitere Festivals folgten am 21. August 1993 und 30. August 1997.

AUSFLÜGE
Nach dem ersten Ausflug 1982 gab es am 26. Mai 1991 als ersten Vereinsausflug eine Mainschiffahrt von Lohr/Spessart nach Miltenberg/Odenwald mit 162 Teilnehmern. Nach den guten Erfahrungen auf dem Main folgte drei Jahre später, am 19. Juni 1994 als 2. Ausflug eine weitere Schiffahrt von Würzburg nach Volkach mit
204 teilnehmenden Personen. Beide Ausflugsfahrten sind der „Kaudenwaldfamilie“ noch in bester Erinnerung.
Bereits vom 20.-23. Mai 1993 hatte nach elf Jahren der 2. Ausschuß-Ausflug nach Budapest stattgefunden.

INVESTITIONEN
Aufgrund des ständigen Wachstums des Kaudenwaldfestes aber auch wegen erster Abnutzungserscheinungen wurde 1992 sowohl ein eigenes Festzelt gekauft als auch die erste Holzbrücke über den Happenbach durch eine stabilere Betonbrücke ersetzt. Geplant ist, daß die Brücke noch mit Sandsteinen verschönert werden soll. Außerdem wurde am Eingang des Spielplatzes eine überdachte Hinweistafel angebracht, so daß die Besucher sich sowohl über die Entstehung, als auch über die Platzordnung informieren können. Die Holzkonstruktion ist die Meisterarbeit des Kaudenwaldmitglieds Volker Thiele.

MITGLIEDSCHAFT im BUND
Da auch ein Spielplatz einen Eingriff in die Natur darstellt und mehr als 50 % des circa 1 Hektar großen Geländes Wald- und Grünflächen sind, beschloß der Ausschuß am 11. März 1992 die Mitgliedschaft in einem in Umweltfragen kompetenten Partner, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Nicht unwesentlich für diese Entscheidung war unter anderem auch der vom Verein unterstützte Protest gegen die zu dieser Zeit geplante Ansiedlung einer Chemiefabrik in unmittelbarer Ortsnähe Happenbachs.

KULTURELLE VERANSTALTUNGEN
Bereits seit Weihnachten 1990 fanden gemeinsam mit der Stadtjugendpflege Heilbronn mehrere Theaterfahrten als Belohnung für die Kinder, die beim Kaudenwaldfest-Theaterspiel mitgespielt hatten, in den „Schnawwl“ nach Mannheim statt. Später wurden auch die Kinder der Jugendmusikschule dazu eingeladen, die jeweils im Frühjahr den Kaffeenachmittag für die älteren Bürger musikalisch bereicherten. Aufgrund dieser guten Kontakte gelang es uns, am 17. November 1992, den bekannten tschechischen Kinderbuchautor, Zdenek K. Slaby zu einem Abend mit Prager Kindermärchen in den Kindergarten Happenbach zu verpflichten.

WANDERUNGEN
Anfangs im kleinen Kreis, findet bereits seit 1980 jeweils im Spätherbst eine recht anspruchsvolle und stramme
Mehrtageswanderung statt. Bisherige Höhepunkte waren neben vielen schönen Touren im Schwäbischen Wald,
Odenwald und in der Pfalz, die Wanderung durch den Schwarzwald von Pforzheim bis Basel und die Tour auf dem Alb-Nordrandweg von Aalen über den Hohenneuffen bis zur Donau. Wanderführer war ursprünglich Dieter Thiele, ab 1991 übernahm Bernd Winkler diese Aufgabe.
Erst am 10. Oktober 1993 folgte dann die erste Familienwanderung durch die herbstlichen, heimischen Wälder zu einem Lagerfeuer, bei dem es bei Wurst am Spieß und einem guten Trunk immer herzhaft schmeckt.
Selbstverständlich wurde dies zu einer jährlich stattfindenden ständigen Einrichtung.

KULTURABENDE
Wenn es im Spätherbst und im Winter im Kaudenwald ruhig wird, könnte man doch den ehemaligen Happenbacher Schulsaal etwas aus dem „Dornröschenschlaf“ wecken und zu dem Ambiente passende Künstler suchen. Gesagt, getan, so fand am 2. November 1993 der 1. Kulturabend mit dem Thomas Loefke Trio (Keltische Musik für Harfe und Ensemble) statt. Nachdem das interessierte Publikum weiter solche Abende wünschte, wurde diese Reihe mit folgenden Künstlern fortgesetzt:
04. 12. 94 Harald Immig und Claudia Pohl 03. 12. 95 Songwriter Colin Wilkie
24. 11. 96 Saxophon-Quartett Oktavin 21. 02. 97 Schottische Folkmusik mit The Cast

KAUDERWELSCH
Immer mehr Mitglieder der wachsenden „Kaudenwaldfamilie“ wohnten nicht im Einzugsbereich der Ortsnachrichten. So wurde der Wunsch nach einer Vereinszeitung laut. Die erste Ausgabe erschien im Dezember 1993 als Kaudenwald-Info. In der Mitgliederversammlung wurde im Februar 1994 für dieses Info der bis heute gültige Name Kauderwelsch gefunden und gewählt.


ABWASSERKANALISATION
Trotz der vorhandenen Toilettengrube wurde das Kaudenwaldfest zu einem Problem, denn die Wasserspülungen
füllten die Gruben bereits am ersten Festtag. Nur Dank eines hilfreichen Landwirtes, der die Gruben in der
Sonntagsfrühe leerte, konnten wir weiterfesteln. Auch aus Umweltgesichtspunkten auf Dauer ein untragbarer
Zustand. Nach einer ersten Ablehnung der Bezuschussung einer Druckschlauchentwässerung durch den
Gemeinderat gelang es im zweiten Anlauf, mit einer gewöhnlichen Kanalisationslösung die Räte von der
Notwendigkeit solch einer Maßnahme zu überzeugen. Dank der finanziellen Unterstützung konnte ab Februar
1994 mit der recht aufwendigen Arbeit der Kanalisation begonnen werden. Am 21. Mai 1994 war es soweit, die Toiletten waren an das öffentliche Abwassersystem angeschlossen, kurze Zeit später auch die Kaudenwaldhütte.

KAUDENWALD-GLOCKE
Zu einem wichtigen Bestandteil des Kaudenwaldfestes wurde auch der Ökumenische Gottesdienst, bei dem alle drei örtlichen Kirchengemeinden beteiligt sind. Seit 1983 ging die Opfergabe an das Kinderheim und Hospital Matyazo in Tansania, das von deutschen Schwestern und Ärzten betreut wird. Bereits 1982 entstanden erste Kontakte, nachdem 2 „Kaudenwäldler“ diese Missionsstation besucht hatten. Kurz darauf folgte der tansanische Bischof Musa sogar einer Einladung nach Happenbach. Nachdem diese Beziehungen weiter gepflegt wurden, regte Missionar Wilfried Mahn 1993 eine Partnerschaft zwischen dem Dorf Nyumbigwa und dem Kaudenwald an. Nachdem dies nicht Ziel unserer Satzung ist, wir aber weiterhin konkret helfen wollten, wurde in der Jahreshauptversammlung 1994 beschlossen, den partnerschafltichen Kontakt auf einen neu zu gründenden Freundeskreis Nyumbigwa e. V. zu übertragen. Zur bleibenden Erinnerung wurde für eine im Bau befindliche Kirche in Nyumbigwa eine Glocke gestiftet, die am 30. Juni 1995 bei der Fa. Bachert in Heilbronn gegossen wurde. Beim 19. Kaudenwaldfest am 31. Juli 1995 läutete diese Glocke dann einmalig auch den Ökumenischen Gottesdienst in Happenbach ein, bevor sie in einem Container nach Ostafrika versandt wurde.

MÄRCHENTHEATER in LICHTENSTERN
Schon zu Zeiten der Bürgerinitiative hatten wir gelegentlich materielle Spenden an die Ev. Stiftung Lichtenstern gesandt. Es war uns bekannt, daß es dort eine wunderschöne Theaterbühne gibt. So fragten wir an, ob Interesse
bestünde, unser Kaudenwald-Theaterstück dort aufzuführen. Ein weiterer Grund war, daß es eigentlich schade
ist, dieses Stück jeweils nur einmalig beim Kaudenwaldfest aufzuführen. Wir wurden von den Verantwortlichen und Heimbewohnern in Lichtenstern erstmals am 10. November 1996 mit dem Theaterstück „Das Dschungelbuch“ eingeladen und begeistert aufgenommen, so daß wir auch im Folgejahr mit dem Stück „Peter Pan“ gastierten. Es besteht nun ein guter Kontakt, der uns in`s Bewußtsein ruft, daß es Menschen am Rande unserer Gesellschaft gibt, die man nicht vergessen sollte.

BAU EINER WEITEREN SCHEUNE
Neben den vielen notwendigen Gerätschaften zur Pflege und Instandhaltung des Spielplatzes wurde bedingt durch das weitere Wachstum des Kaudenwaldfestes der Platzbedarf immer größer und bald mußte das Bauholz, die Fässer, Bühne und Kulissen hinter der bisherigen Scheune gelagert werden. Das Wasserwirtschaftsamt sah dies wegen der unmittelbaren Nähe zum Bach nicht gerne und erließ bezüglich der an der Scheune rückseitig angefügten überdachten Unterstellung eine Abrißverfügung. Das Landratsamt Heilbronn hatte jedoch bei einem
gemeinsamen Ortstermin Verständnis für unsere Raumprobleme und ermöglichte an einem anderen Ort den Bau
einer neuen Scheune. Am 18. Oktober 1997 war dann der Baubeginn und am 8. November 97 konnte bereits das Richtfest gefeiert werden.

AUSBAU DER SCHULE ZUM BÜRGERHAUS HAPPENBACH
Die ehemalige Schule als Ort fast aller Gremiums und Ausschußsitzungen und Gründungslokal des Vereins
wurde zusehends zu einem Problem, denn nahezu alle weiteren Veranstaltungen litten nicht nur unter den beengten Raumverhältnissen, sondern auch die sanitären Verhältnisse waren nicht mehr zumutbar. Regelmäßig,
insbesondere nach Veranstaltungen wurde die Forderung laut, hier endlich Abhilfe zu schaffen. Nachdem 1990 der Grundsatzbeschluß im Gemeinderat gefaßt wurde, das Schulgebäude zu renovieren und zu erweitern, teilte
der Spielplatz Kaudenwald Happenbach e. V. auch seine Vorstellungen und Wünsche mit. Doch es dauerte wegen notwendiger Landeszuschüsse bis zum Baubeginn noch 7 Jahre. Es konnten zwar nicht alle unsere Wünsche, insbesondere nach einem größeren Saal in der Planung umgesetzt werden, doch wir freuen uns auf die
Einweihung des Bürgerhauses Happenbach.


Die Entstehung und das Wirken des Spielplatz KAUDENWALD HAPPENBACH e. V. ist in einer
recht kurzen Zeit zu einem Stück Heimatgeschichte geworden. Bei der Verabschiedung des lang-
jährigen 1. Vorsitzenden Kurt Kleis stellte der ebenfalls langjährige stellvertretende Vorstand und Hüttenwart
Dieter Thiele in seiner Laudatio kritisch fest, daß die künftige Erhaltung des Spielplatz Kaudenwald vielleicht schwieriger ist als die Gründung. Wichtig und gleichzeitig fraglich sei , ob auch in Zukunft Menschen bereit sind, für die Allgemeinheit soviel Freizeit zu opfern.
Der Mitbegünder und Festredner, H. U. Agster, hatte 1985 beim 10jährigen Jubiläum den Kaudenwald mit folgenden Passagen schon sehr treffend charakterisiert:
„Die Männer, die im Kaudenwald angefangen haben, wußten vor 10 Jahren noch nicht, welchen
Stein sie da in´s Rollen gebracht hatten. Es spielen heute Kinder auf dem Platz, die noch nicht geboren
waren, als man im Kaudenwald angefangen hat und die Jugendlichen von damals haben heute Kinder.
Aber nur wenn diese nachwachsenden Kinder für diesen Platz interessiert werden, kann es
gelingen, den Kaudenwald über Jahre und Jahrzehnte zu erhalten. Es ist dem Kaudenwald gelungen, sehr
unterschiedliche Leute zusammenzubringen - dieses Kapital gilt es zu erhalten und zu nutzen.
Dem Verein sind neben der Pflege des Spielplatzes noch weitere Aufgaben hinzu gewachsen. Es ist gut,
daß der Verein begriffen hat: Wir sind für das Leben in diesem Dorf mitverantwortlich und wir wollen
etwas tun. Es wird in Zukunft darauf ankommen, daß ihr die Rolle der komischen Käuze auch als
Vereinsmitglieder weiterhin spielt. Komische Käuze lassen sich nicht vor jeden Karren spannen und
manchmal gehen sie auch mit dem Kopf durch die Wand, ohne nach links oder rechts zu schielen, denn
sonst bräuchten sie gar nicht erst anzufangen. Ich wünsche Euch, daß Ihr die Begeisterung der
Anfangszeit behaltet und daß Euch noch viele gute Ideen kommen.“

Ein herzlicher Dank gilt allen Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männer, Firmen, Behörden und der Gemeinde, die in unterschiedlichster Art im Kaudenwald mitgearbeitet oder die Bürgerinitiative beziehungsweise den Verein mit materiellen oder finanziellen Mitteln unterstützt haben. Es hat sich gelohnt!


© mschö




Auszüge aus einer Festrede anläßlich des 10. Kaudenwaldfestes Happenbach am 1. August 1986

v. Hans-Ulrich Agster

...Es erscheint uns heute selbstverständlich, daß es Spielplätze gibt. Vor hundert Jahren war dies nicht so. Und wenn ich meinem Happenbacher Großvater gesagt hätte, daß ich einmal bei der Errichtung eines Spielplatzes hier im Dorf mithelfen werde, hätte er sich gewundert. Unter einem Abenteuerspielplatz hätte er sich schon gar nichts vorstellen können....
Ich erinnere mich als der erste öffentliche Spielplatz in Happenbach hinter der Kapelle eingerichtet wurde, so war das ein Platz vor allem für Kleinkinder der Neuzugezogenen im damals einzigen Neubaugebiet Nordstraße. Ein Spielplatz außerhalb des Dorfes war - wenn man so will - der Kickplatz bei der Müllhalde, für viele Happenbacher noch in guter Erinnerung...
Es ist heute noch nicht genügend selbstverständlich, daß das Spiel zum Menschen, auch zum Erwachsenen, dazugehört, genauso wie seine Arbeit. Um wirklich er selbst zu sein, braucht der Mensch das freie, zweck-lose Spiel. Der Mensch lebt eben nicht allein von dem, dessen Zweck und Nutzen auf der Hand liegt, auch nicht vom Gelderwerb. Der mensch kann Dinge tun, mit denen er keinen Zweck und keine Absicht verbindet - er tut es einfach weil sie ihm Spaß machen. Gerade dieses zweck-freie Spiel zeichnet den Menschen als Menschen aus, als Mensch mit Kultur...
Anfangen - eine Initiative ergreifen, das ist nicht immer eine anerkannte Sache. Die Männer, die hier angefangen haben wußten nicht, welchen Stein sie da ins Rollen gebracht hatten.
Bemerkenswert erscheint mir auch dies: daß Bürger überhaupt etwas anfangen, ohne daß dies von staatlicher Seite angeordnet wird. Das ist ja nicht gerade eine deutsche Tugend und drum werden solche Initiativen von unten, aus der Bevölkerung heraus, erst einmal kritisch betrachtet.
Bürgerinitiativen brachten Unruhe in ein Gemeinwesen. Das Projekt Kaudenwald ist auch auf diesem Hintergrund zu sehen...
Ein paar Worte zu den Leuten, die hier angefangen haben. Es hat sicherlich viel Schweiß und auch manche schlaflose Nacht gekostet bis dieses Projekt Kaudenwald zu dem geworden ist, was wir heute feiern. Es wäre aber sicher nicht im Sinne der „komischen Käuze“ wenn man sie nur als geplagte Menschen sähe, die sich für das Wohl anderer abgemüht haben. Das Projekt Kaudenwald war für sie auch ein Spielraum zur Verwirklichung eigener Ideen. Der Berufsalltag macht es Menchen heute immer schwerer, sich ganz zu verwirklichen, und es braucht darum solche Spielwiesen, auf denen man kreativ, schöpferisch sein kann, wo man auch andere Fähigkeiten entwickeln kann. Es ist darum falsch, wenn man treuen Vereinsmitgliedern in Nachrufen immer nur bescheinigt, sie hätten sich für den Verein aufgeopfert. Man sollte auch sagen, daß es ihnen Spaß gemacht hat, einfach dabeizusein....
Ein paar Bemerkungen sind notwendig, um das Projekt Kaudenwald in die Dorfgeschichte hineinzustellen. Es ist dem Verein Spielplatz Kaudenwald gelungen, sehr unterschiedliche Leute zusammenzubringen. Die Initiative ging von Neubürgern aus, und was von Neuzugezogenen angefangen wird, das betrachten die Alteingesessenen erst einmal sehr skeptisch - man wartet ab, ob es nicht doch schiefgeht. Und diese Gefahr hat der Initiative auch gedroht, aber es kamen ein paar glückliche Umstände hinzu und schließlich saßen die jungen und alten Alt- und Neubürger trotz des Problems eine gemeinsame Basis zu finden um einen Tisch. Und nur so kann etwas gelingen in einem Dorf. Es sind zu wenige Leute da, die überhaupt bereit sind, sich für eine Sache zu engagieren. Wenn sie gegeneinander arbeiten oder aneinander vorbei, so kommt für das Leben im Dorf nichts heraus außer Streit. Daß selbst ein ausländischer Mitbürger zu den Gründungsmitgliedern gehört, ist ein gutes Zeichen, auch wenn man José Pereira nicht als Vorzeige-Ausländer mißbrauchen sollte; er gehörte von Anfang an ganz selbstverständlich mit dazu.
Dem Verein sind nun neben der Pflege des Spielplatzes noch weitere Aufgaben hinzu gewachsen. Es ist gut, daß der Verein begriffen hat: Wir sind für das Leben in diesem Dorf mitverantwortlich und wir wollen dafür etwas tun.
Noch eines scheint mir wichtig für diese Dorfgeschichte:
In dieser Initiative aus einem kleinen Dorf heraus zeigt sich auch ein Stück Widerstand, ein Stück Protest gegen die unüberschaubar gewordene Organisation einer Massengesellschaft.
Es ist ja erschreckend, was vielerorts aus den kleinen Dörfern geworden ist. Man hat die Dörger gewissermaßen „ausgebeint“ und ihnen die Lebensadern durchtrennt. Übriggeblieben sind verschlafene Dorfkerne und neu gebaute Schlafsiedlungen. Zu den Lebensadern eines Dorfes gehören Gemeinschaftseinrichtungen, die ein Dorf lebendig erhalten. Auch happenbach hat viele davon verloren:
Die Happenbacher Schule, die erst 1869 fertiggestellt worden war -bestimmt unter großen Opfern- wurde keine hundert Jahre später schon geschlossen. Daß sie heute den Vereinen als Gemeinschaftsraum dient, ist immerhin erfreulich.
Das Milchhäusle war ein beliebter Treffpunkt am Abend. Mancher mag darüber lächeln, aber es hat nicht nur mit Dorfromantik zu tun, wenn man den Wegfall einer solchen Einrichtung beklagt.
Eine Gastwirtschaft (Zur Traube) von zweien, der Laden, die Post, auch das waren Einrichtungen, die nicht nur der Versorgung, sondern dem Gespräch gedient haben - und auch der Klatsch hat eine nicht nur negative Funktion im Dorfleben.
Insofern sind alle Versuche, neue Einrichtungen zu schaffen, die die Aufgaben der alten wenigstens teilweise ersetzen können, nicht hoch genug zu bewerten.
Der Spielplatz Kaudenwald und der Verein, der ihn trägt, sind solche Treffpunkte.
Es ist damit schon ein Stück Protest, ja mehr ein Stück Selbstachtung und Stolz, wenn sich hier ein Verein für ein Dorf stark macht: Wir sind auch jemand, wir sind nicht nur eine Verwaltungseinheit von ein paar hundert Menschen. Wir trauen uns auch etwas zu, unabhängig von allen Bestrebungen, Menschen in einer Massengesellschaft noch mehr zu entmündigen.
Die „komischen Käuze“ haben ein Stück Dorfgeschichte geschrieben, auf da sie stolz sein können...
Als komischer Kauz, der mit Euch hier angefangen hat, möchte ich Euch -auch aus der Ferne- verbunden bleiben.

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