Happenbach Geschichte 6

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Geschichte und Geschichten


ALBERT KLEMM - ein Demokrat mit Zivilcourage
29. 04. 1876 - 30. 06. 1945

Amtszeit und Dienste in der Gesamtgemeinde Abstatt/Happenbach:

03. 12. 1906 Wahl in den Teilbürgerausschuß Happenbach und
gleichzeitig auch in den Gesamtbürgerausschuß Abstatt
21. 02. 1910 Wahl in den Teilgemeinderat Happenbach
(auf 4 Jahre / Periode 1910/1913)
03. 12. 1913 Wahl in den Gesamtgemeinderat Abstatt
kraft Gesetz auch Teilgemeinderat in Happenbach
(auf 6 Jahre / Periode 1914/1920)
18. 06. 1919 Wiederwahl in den Gesamtgemeinderat Abstatt
kraft Gesetz auch Teilgemeinderat in Happenbach
(auf 6 Jahre / Periode 1919/1925)
03. 03. 1920 Wahl in die Reblauskommission (3 Personen)
zuständig für Rote Staig und Happenbach
15. 09. 1922 Wahlvorstand für die Gesamtgemeinderats- und
Teilgemeinderatswahlen in Abstatt und Happenbach
10. 03. 1924 Gemeindebevollbemächtigter zum Abschluß von
Kaufverträgen im Rahmen der Regulierung des
Happenbachs
06. 12. 1925 Wiederwahl in den Gesamtgemeinderat Abstatt,
kraft Gesetz auch Teilgemeinderat in Happenbach
(Zweitbestes Ergebnis aller Gemeinderäte)
13. 12. 1931 Wiederwahl in den Gesamtgemeinderat Abstatt,
gleichzeitig auch Teilgemeinderat in Happenbach
17. 02. 1932 Wahl in die Steuersatzbehörde der Gesamtgemeinde
(3 Personen) von 1. April 1932 bis 1938
05. 05. 1933 Nachdem die Gemeinderäte aufgrund Gesetz aufgelöst
wurden, erfolgte eine Neubesetzung (Abstatt 4, Happenbach 2)
gemäß dem Verhältnis der Stimmen der Reichtagswahl vom 5. März 1933.
Neben 3 Gemeinderäten des Bauernbundes und 2 National-
sozialisten erhielt Albert Klemm als 6. Gemeinderat das
Mandat der für die Sozialdemokraten in Happenbach
abgegebenen Stimmen.
Auch die örtliche Steuersatzbehörde mußte neu gebildet werden.
Albert Klemm wurde wiedergewählt. Im GGR-Protokoll steht hierzu
folgende Anmerkung:
Bezüglich der Wahl des Albert Klemm war das Stimmenverhältnis
3 : 3 für Albert Klemm und Eugen Moser. Gem. Art. 69 Abs. 3 gibt der
Vorsitzende den Stichentscheid für Albert Klemm ....da dieser mehr fachkundig und seit Jahren Mitglied (Bleistiftergänzung)..
In derselben Sitzung wurden von den „politischen Gegnern“ trotzdem einstimmig die Verdienste als Anwalt von Happenbach gewürdigt:
Albert Klemm, Landwirt in Happenbach hat, seit der frühere Anwalt in
Happenbach krank ist, stellvertretungsweise die Geschäfte des Anwalts für
Happenbach besorgt. Es sollte Albert Klemm eine kleine Entschädigung
zugewiesen werden. Durch diese Regelung wurden der Ortsgemeinde Abstatt,
welche satzungsgemäß die Besoldung des Anwalts mit jährl. 150 RM zu tragen
hätte, ein stattlicher Betrag gespart.
Der Gemeinderat beschließt einstimmig:
Gemeinderat Albert Klemm für 4 Jahre je 25 RM pro Jahr als Entschädigung
für die Besorgung der Geschäfte des Anwalts aus der Gemeindekasse Abstatt
ausbezahlen zu lassen.
20. 12. 1933 Auf Grund des Erlasses des Württ. Innenministeriums v. 7. Juli 1933 Nr. 6 /
3008 / 33 ist in Württemberg sämtlichen Abgeordneten, Gemeinderäten u.
sonstigen Vertretern der S.P.D. in öffentlichen Körperschaften die Ausübung
ihrer bisherigen Befugnisse mit sofortiger Wirkung verboten. -
Es hat deshalb das auf Grund des Gesetzes des Staatsministeriums über die
Neubildung der aufgelösten Gemeinderäte vom 12. April 1933 Reg.bl. S. 87
gewählte Mitglied Albert Klemm auszuscheiden -
An seine Stelle tritt in den Gesamtgemeinderat ein:
der auf dem am 25. 4. 1933 eingereichten Wahlvorschlag der N.S.D.A.P. an
zweiter Stelle stehende: Härle, Gottlieb, Landwirt in Happenbach -
Per 21. 12. 33 / dem Oberamt Heilbronn wird wegen Austritt des seither.
Gem.Rats Mitglied Klemm und Eintritt des neuen Gemeinderats Härle
Mitteilung gegeben.
Anmerkung: Der Gesamtgemeinderat (nicht durch Wahl der Bürger!) haben
daraufhin den Ratsnachfolger auch auf unbestimmte Zeit als Anwalt bestellt.

Da Albert Klemm in der heutigen Hauptstraße 10 wohnte, war er ein direkter Nachbar des Schullehrers von Happenbach. Lehrer Hermann Haas hatte das Lehramt in Happenbach von Juni
1926 - Ende 1937 inne. Aus dieser Zeit existieren recht umfangreiche Tagebuchaufzeichnungen.
Bemerkenswert ist, daß Lehrer Haas am 28. Juli 1933 von der NSDAP-Kreisleitung Heilbronn, Kreisleiter Drauz, aufgefordert wurde, eine Stützpunktleitung mit Sitz Happenbach für die umliegenden Ortschaften aufzubauen. In seinem Tagebuch sind teilweise auch Kommentare von Albert Klemm zur jeweiligen politischen Situation aufgeführt.

Nach Auflösung des Reichstags (12.09.1932) und Rücktritt von des Kabinetts v. Papen (17.11.1932):
Nachbar Klemm meint zum Reichstag - sie (Abgeordnete) gehören auf ein Schiff geladen, das unter Deck eine Zeitbombe mitführt. Die Hälfte gehört anschl. dann heimgeführt, ja 100 Abgeordnete genügen auch.

Zum Rücktritt des Reichskanzlers Schleicher auf Druck der NSDAP am 28. Jan. 1933:
... Man wird bald wieder wählen müssen. Wenn nur der Lumpenpack beim Teufel wäre...“
Trotz der anfänglichen Begeisterung und aktiven Mitarbeit von Lehrer Haas für die NSDAP hatte er
von seinem Nachbarn trotz anderer politischer Meinung großen Respekt, wie die Tagebuch-eintragung vom 12. 04. 1933 beweist:

...Ich bin auch vom „Braunen Haus“ (in Heilbronn) aufgefordert worden, mich als Gemeinderat zur Verfügung zu stellen, habe aber mit der Begründung abgelehnt, daß ich als einfaches Mitglied der Partei mehr nützen kann. Wie die Sache nun geregelt wird, muß man abwarten.
Alte Gemeinderäte werden schwer enttäuscht, so z. B. mein Nachbar Klemm der über 25 Jahre im Gemeinderat ist. Seine Kenntnis in Gemeindefragen muß anerkannt werden.

Schlußbemerkung: Albert Klemm mußte nicht nur sein Amt aufgeben, sondern hat durch den 2. Weltkrieg 4 Söhne verloren und ist im Juni 1945 in Happenbach bei der Arbeit auf dem Feld gestorben.

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