Happenbach Geschichte 3

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Mein liebes altes Happenbach

von Karl Stöffler *13. 03. 1889 in Happenbach


Vorwort:
Am 6. November 1926 ist Karl Gottlieb Stöffler, Bauer und Württemberger durch Abstammung geboren am 13. März 1889 in Happenbach als 4. Kind der Eheleute Karl Friedrich Stöffler, Amtsdiener, und Caroline Friederike Stöffler geb. Barth mit seiner Ehefrau Maria Luise geb. Müller nach Philadelphia in Nordamerika ausgewandert. Seine 82jährige heute noch in Happenbach wohnhafte Schwester, Frau Wilhelmine Moser hat ihn ausgangs des letzten Jahres (1964) per Flugzeug besucht und folgenden Bericht von ihrem Bruder Karl Stöffler mitgebracht, der nachstehend im Original wiedergegeben wird:

Wo`s Dörflein traut zu Ende geht
Des morgens früh der Hahn noch kräht
Da steht so traut jahrein, jahraus
Mein liebes, altes Elternhaus

Etwa östlich von dem Schloß Stettenfels liegt das Dörflein Happenbach, eingebettet in einen schönen und vielseitigen Obsthain.
Happenbach ist ein Dörflein von eigenartiger Bedeutung, mit einer wechselvollen und interessanten Geschichte. Vor dem dreißigjährigen Krieg soll es, wie ein altes Geschichtsbuch berichtet, ein Pfarrdorf gewesen sein mit einer Kirche an der Ostseite. Eine Anzahl von Parzellen sind heute noch im Grundbuch als „Hinter der Kirche“ vermerkt.
In jenem unheilvollen, dreißigjährigen Kriege wurde das ehemalige Dorf zerstört bis auf einige Häuser mit den Familien, die mit dem Leben davonkamen.
Der übriggebliebene Rest soll, nach Aussagen älterer Generationen für lange Zeit den Namen Happenhof getragen haben. Als dann in späterer Zeit neue Generationen heranwuchsen und von außen her Buben und Mädchen einheirateten, entwickelte sich dieser Happenhof zum heutigen Happenbach.

Das Dörflein Happenbach liegt auch nicht in einem verträumten Winkel des unteren Schwabenlandes, sondern hat schon etwas über vierzig Jahre zurück eine Busverbindung mit der Kreisstadt Heilbronn bekommen, so daß die Einwohner, die nicht voll beschäftigt waren, in der Stadt arbeiten konnten, des guten Verkehrs halber. Auch ist es heute ein großer Vorteil für Happenbach, daß die Autobahn Stuttgart - Weinsberg an den Toren des Ort vorüberzieht und daß Heilbronn und Umgebung die Zufahrtsstraße am Dorfrand haben unter dem Namen Heilbronn-Süd. Diese neue Verkehrslinie trägt dazu bei, daß Happenbach im wachsen ist, was eine ganze Anzahl neuer Häuser bestätigt.

Die Einwohner von Happenbach waren schon von alters her ein aufgewecktes und strebsames Völklein und standen intellektuell etwas über dem Durchschnitt. - Schon an der Jahreswende vom 17. zum 18. Jahrhundert, wie mir mein Großvater erzählte, war ein ahne des heutigen Landwirts August Brändle in den Landtag nach Stuttgart gewählt worden. Wenn dieser nun nach Schluß der Sitzungen nach Hause kam, versammelte sich die männliche Einwohnerschaft um ihren Landsmann um von ihm das Neueste zu erfahren in politischer, wirtschaftlicher und gesetzlicher Hinsicht, denn Zeitungen waren rar oder gab es wenige in damaliger Zeit. So wußte man schon in damaliger Zeit wie die Fäden laufen, so daß ein Schultheiß von Abstatt die Bemerkung machte: „Mit den Happenbachern will ich nichts zu tun haben, die haben das Gesetzbuch in der Tasche“.

Auch kann von Happenbach in Wahrheit gesungen werden: „Droben stehet die Kapelle, schat still in`s Tal hinab“. - Schon Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde am oberen Ortseingang für die einst zerstörte Kirche, eine Kapelle der Methodistengemeinde errichtet. Auch dies hat zur geistigen und geistlichen Weiterbildung der Happenbacher Dorfjugend einen nicht zu unterschätzenden Beitrag geliefert, da von jeher die ganze Jugend durch die Sonntagsschule in der Kapelle gegangen ist und heute noch geht, wie angenommen wird. Ebenfalls kann hier noch erwähnt werden, mit Dank gegen Gott und als Ehre der Happenbacher, daß die Ortsgemeinde oder das Dörflein der weltweiten Methodistenkirche 9 Pastoren gegeben hat, die hier mit Namen genannt werden können:

Drei Pastoren namens Härle, zwei namens Brändle, einer namens Klemm, Kohler, Bäuerle und Stöffler. Den gesegneten Einfluß dieser Männer hat nicht nur Deutschland zu spüren bekommen, sondern er ging weit hinaus über die Grenzen Deutschlands nach der Schweiz und herüber nach Amerika, wo die Methodistenkirche die größte protestantische Kirche.
So stammt der Einfluß, der von Happenbach durch drei Länder geflossen ist, aus dem geistigen und geistlichen Gut der Happenbacher.

Auch darf hier noch erwähnt werden, daß von dem geistigen und geistlichen Gut das von Happenbach herüber geflossen ist nach Amerika wieder etwas zurück fließt in unsere deutsche Heimat und nach Europa.

Dr. F. Ernest Stöffler hat einige Lehrbücher geschrieben über den Pietismus in Europa und Deutschland, ein Zweig der lutherischen Kirche, die nun in verschiedenen Universitäten als Lehrfach benützt werden. In diesen Büchern marschieren auch eine Anzahl schwäbische pietistische Väter auf wie:
Blumhardt, Bengel, Flattich, Spener, Oettinger, Hahn, Kolb und andere.
Auch kann hier noch erwähnt werden, daß ein alter Happenbacher, oben genannter, unter den sechs Männern war, die nach dem Weltkrieg nach Washington an unsere Regierung gingen und durchsetzten, daß die Paketpost nach Deutschland aufgemacht wurde, so daß das Hilfswerk nach drüben einsetzen konnte.

Und nun zum Schluß das Verslein:

O Happenbach, dein denk ich unverwandt,
weil einst in dir auch meine Wiege stand.
Durch dich ist auch mein Lebensstrom geflossen,
Viel Lieb und Freud hab ich in dir genossen,
Drum wünsch ich heut` und allerwegen
ein Glückauf dir und Gottes Segen!
Bleib als ein einig Völklein stark und wach
Mein altes, liebes, trautes Happenbach.

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