Happenbach Geschichte 2

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Geschichte und Geschichten


Blick in die Geschichte von Happenbach

v. Martin Schönfeld


Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung in der Umgebung Happenbachs stammen bereits aus der Zeit der Jungsteinzeit ca. 4000 - 1800 v. Chr.

Der ehemalige Pfarrer Frank aus Untergruppenbach hat in seinem „Aus alten Tagen“ folgendes festgehalten:
......Der Zufall führte vor Jahrzehnten zu einem Werkzeugfund in der Gemarkung Happenbach. Ein Landwirt aus Happenbach wollte Raben von seinem Acker verscheuchen. Er griff nach einem Stein, wunderte sich über dessen handliche Form und brachte ihn dem Lehrer. Dieser erkannte darin ein Steinbeil und ließ, leider ohne Erfolg, durch Schulkinder das ganze Gelände absuchen. Der anwesende Finder wollte zeigen, wie im der Fund gelang, griff wieder nach einem Stein und hatte ein zweites Steinbeil in der Hand. Beide Beile wurden noch lange in der Schule Happenbach aufbewahrt......
Auch aus der Früheisenzeit (Hallstattzeit) ca. 800 - 400 v. Chr. sind menschliche Spuren in der Markung vorhanden. In dem Buch von O. Paret „Württemberg in vor- und frühchristlicher Zeit“ wird auf folgendes hingewiesen:
....Auf dem Rücken zwischen Happenbach und Schozach liegen drei flache Hügel (vermutl. Grabstätten) aus dieser Zeit.....

In einem Bericht über „Schanzen in den Steinlesäckern“ von Fr. Gutöhrlein v. 28. Dez. 1955 wird darauf hingewiesen, daß Dr. Beiler diese Grabhügel festgestellt und lokalisiert hat. Es ist nicht bekannt, ob diese Grabhügel weiter erforscht oder gar geöffnet wurden.
In der Zeit 400 - 100 v. Chr. lebten in unserem Raum die Kelten. Die Besiedlung erfolgt in durch Wälle begrenzte burgartigen Anlagen. Ob der heute noch in Happenbach gebräuchliche Begriff „im Burg“ oder „drüben in der Burg“ ihren Ursprung in solch einer Besiedlung ist recht zweifelhaft, jedoch ist andererseits auch nicht geklärt worauf sich der Name „die Burg“ bezieht.
Die heutige Burgstraße erinnert weiterhin an diesen mündlich überlieferten Begriff, denn die offizielle Flurbezeichnung lautet „Kies“.

Von 155 - 260 n. Chr. gehörte unser Raum zum Römischen Weltreich, Provinz Ober-
germanien. Die Römer begradigten ihre Ostgrenze vom Neckar bis zur Linie Walldürn - Lorch und bauten zur Sicherung und Befestigung den Limes. In dieser Zeit sind mit Sicherheit römische Soldaten in unserer unmittelbaren Gegend durchgezogen, denn eine „eerste Autobahn“, die Römerstraße führte vom Kastell Walheim über Wüstenhausen, Happenbach (Rote Steige - Burg - Steinlesäcker) über Löwenstein (Teusserbad) zum Limeskastell Mainhardt. Im Vorland der Kastelle siedeln sich mit Duldung der Römer auch wieder Germanen an.

Ca. 260 n. Chr. machen Einbrüche der Alemannen der römischen Herrschaft in unserem Raum ein Ende. Sie zerstören die römischen Bauten, auf deren Überreste oft die Flurnamen wie z. B. Steinäcker hinweisen. Es ist deshalb durchaus möglich, daß auf den Steinlesäckern auf der Anhöhe von Happenbach am Rande der Römerstraße ein römischer Gutshof als Versorgungs- oder Zwischenetappenstation stand. Ein Fußmarsch von Walheim nach Mainhardt war sicherlich nicht an einem Tag zu bewältigen.

Nach der Vertreibung der Römer durch die Alemannen drängten von Norden die Franken nach. Nach der verlorenen Schlacht 496 n. Chr. mußten die Alemannen den Franken den nördlichen Teil des heutigen Württembergs bis zum Asperg überlassen. Die Franken begnügten sich nicht mit den Lößtälern der Bäche, sondern rodeten im großen Stil auch die Wälder. Wir waren also sicherlich fränkisches Siedlungsgebiet, denn alle Orte mit den Endungen -bach, -fels, -hausen, -bronn, sind Hinweise auf fränkische Gründungen. Die einstige Stammesgrenze ist bis heute in etwa Sprachgrenze zwischen dem Schwäbischen und Fränkischen geblieben. Wenn auch durch die Besatzungspolitik des späteren Württembergs sich die Sprachgrenzen zu Gunsten des Schwäbischen etwas verwischt haben.

Die Christianisierung der Franken erfolgte ca. 500 - 700 n. Chr. durch irische Mönche. Ein Kapitel das bis heute rätselhaft ist und nicht ausführlich erforscht wurde. Nachdem König Chlodwig zum christlichen Glauben übergetreten war, erfolgte die Missionierung durch Kilian und auch Bonifatius. Ob sie jedoch auch im Heilbronner Raum waren ist trotz Kilianskirche mehr als fraglich, denn die Einführung des Christentums ging zunächst vom Bistum Worms aus, denn die dem Erzengel Michael geweihte Heilbronner Basilika wurde erst 741/747 n. Chr. dem neugestifteten Bistum Würzburg (Gründung 742 n. Chr.) geschenkt. Von dieser Zeit gehörten die am rechten Neckarufer liegenden Orte zum würzburgischen Landkapitel Weinsberg.

Um ca. 1000 bis 1100 erstreckte sich der Einflußbereich der Calwer Grafen bis nach Löwenstein und Weinsberg. Alle Orte in der Umgebung gehörten deshalb in dessen Machtbereich. 1277 wurde Löwenstein und Umgebung an den Bischof von Würzburg verkauft.

Happenbach gehörte politisch zu dem Herrschaftsbereich des Kleinadels der Herren von Hohenrieth, die es als Würzburger Stiftslehen innehatten. Das Geschlecht der Herren von Hohenrieth (Heinriet) hat es aber nicht verstanden, den Besitz zusammenzuhalten, sie gerieten in Schulden, pflegten auch nicht besonders ihre Stammburg, bis sie schließlich nach dem Tod des letzten Sprosses im Jahr 1462 ganz von der Bildfläche verschwanden.

Nachden Bischof Berthold von Würzburg 1281 die Grafschaft Löwenstein an den deutschen König Rudolf von Habsburg verkauft hatte, übergab dieser1287 die ganze Grafschaft an seinen Sohn Albrecht, der sich fortan Graf von Löwenstein nannte (habsburgischer Stamm).
Wie bereits erwähnt wurde verkauft Conrad von Heinrieth am 16. Januar 1330 (erste urkundliche Nennung von Happenbach ) nicht nur seinen Antheil an Happenbach, sondern auch halb Unterheinrieth für 600 Pfund Heller an den Grafen Nicolaus von Löwenstein. Dieser Kaufvertrag wurde von Kaiser Ludwig am 5. August 1330 bestätigt.

1364 schließlich verkaufte Rudolf von Heinrieth seinen Antheil an Happenbach an den Grafen Albrecht von Löwenstein.
Auch Württemberg hatte bereits im 14. Jahrhundert in Happenbach ein Lehen, das 1364 an Bernold von Urbach zu Mundelsheim verliehen wurde.
Die Landeshoheit hatte Württemberg und zwar waren 8 Familien dem Stab Heinriet zugeteilt, während die „löwensteinischen“ Familien unter dem Gericht in Abstatt standen.
1433, Donnerstag nach Mariä Geburt, erkauft die Stadt Heilbronn von Graf Heinrich von Löwenstein und seiner Gattin Anna, geb. Schenkin von Erbach den Stettenfelser Wald (sog. Grafenwald) um 250 Gulden.

2. Jan. 1441 - die Grafen Georg und Heinrich von Löwenstein scheinen in Geldnöten gewesen zu sein, den sie verkaufen u. a. auch einen Hof zu Happenbach (in das Gericht zu Heinriet gehörig) an den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz, zugleich Herzog von Bayern.
Auch 1456 kam ein Hof aus dem Besitz der Elisabethpfründe im Heilbronner Spital für 200 rheinische Gulden in die Hand des Peter Harand von Hohenberg.
1491 verkaufte dessen Tochter diesen und einen zweiten Hof in Happenbach für 240 Gulden an Graf Ludwig von Löwenstein.

Nach dem Aussterben der Herren von Heinrieth 1462 kamen Wildeck mit Abstatt, Vohenlohe und Teile von Happenbach an die Herren von Neipperg.
Die unterschiedlichen Besitzverhältnisse in Happenbach waren sicherlich auch ein Problem im pfälzisch-bayrischen Krieg (1459 - 1462).
Auf der einen Seite standen Kurfürst und Herzog Ludwig von Pfalz-Bayern (vom Kaiser geächtet), sowie die Städte Heilbronn und Wimpfen und auf der anderen Seite
der Kaiser und seine Helfer, Graf Ulrich von Wirtemberg, Markgraf Karl von Baden und dessen Bruder Bischof Georg von Metz u. a.

Am 30. April 1460 fand schließlich zwischen Pfälzern und Wirtembergern bei Wüstenhausen/ Helfenberg eine Schlacht statt. Die zunächst siegreichen Pfälzer wurden in einen Hinterhalt gelockt und geschlagen. Auf wirtemberger Seite fällt u. a. auch Konrad von Hohenrieth.

1488 erbt Sohn Ludwig, des Kurfürsten Ludwig von der Pfalz die Grafschaft Löwenstein, jedoch wird das in ihr begriffenen Happenbach abgezweigt und von Pfalzgraf Philipp dem kurpfälzischen Amt Weinsberg zugeschlagen.

Interessant ist, daß trotz der verworrenen Herrschaftsverhältnisse das Dorf Happenbach offensichtlich bereits zu dieser Zeit der Pfarrei Gruppenbach zugeordnet war. In einer Urkunde vom 13. September 1491 des Würzburger Diözesan-Archivs ist folgendes zu lesen:
„Felicitas, Witwe des Götz von Adelsheim und ihre Söhne haben in der Pfarrei Gruppenbach unter Stetenfeld eine Kapelle mit einem Altar S. Ulrici zu Happenbach gestiftet....“

Dies könnte durchaus als ein Indiz für die Kirche gewertet werden, die östlich von Happenbach auf über dem Kirchenrain thronte. Das Gewann dahinter heißt heute noch „Hinter der Kirche“ und ein eventueller Zugang vom Ort ist als Abzweigung vom altern Hohlweg noch erkennbar. Einheimische sprechen immer noch vom „drüben im Kirchle“. Die darunter stehenden Häuser am Ende der Gottlieb-Härle-Str. werden von den Happenbachern heute noch als „drüben in der Vorstadt“ bezeichnet. Marie Klemm (*1896) erzählte mir, daß die „Alten“ weitererzählt hätten, daß in dem Kirchle Barfüßermönche gelebt hätten. Alles weitere bleibt bis heute leider im Dunkeln.

1496 Das Spital in Heilbronn kauft von Anna von Sternenfels 30 Morgen Wald beim Stettenfels. Auf Gruppenbacher Markung hatte das Spital 50 O Morgen Wald. Noch heute kennen wir westlich vom Kaudenwald die Flurbezeichnung Spitalwald, obwohl es sich nach einer später erfolgten Rodung heute um Ackerflächen handelt.

1504 wurden im bayrischen Erbfolgekrieg die pfälzischen Ämter Weinsberg, Neuenstadt und Möckmühl von Herzog Ulrich v. Württemberg erobert. Zuvor war der Landgraben von Gronau bis zum Heuchelberg die nördliche Grenzbefestigung des Herzogtums Württemberg. Nachdem sich Kaiser Maximilian für den Grafen Ludwig I von Löwenstein eingesetzt hatte, wurde diese Grafschaft (Lehenbrief v. 29. Okt. 1510) zu einem Mannlehen unter der Landeshoheit von Württembergs. So wurde Abstatt-Wildeck wieder löwensteinisch, während Happenbach fortan der direkten württembergischen Verwaltung des Amtes Beilstein unterstand.

Die soziale Struktur der Einwohner im Dorf gliederte sich in folgende drei Gruppen:
Bauern, Kleinbauern und Tagelöhner ohne Grundbesitz (Beisitzer). Die Bauern bildeten die Oberschicht. Sie bewirtschafteten volle Stellen, die als Hof, Lehen oder Gut bezeichnet wurden. Sie unterstanden bestimmten, Grund-, Leib-, Gerichts- und Kirchenherrschaften. Die meisten Bauernhöfe waren einer Familie erblich oder auf Lebenszeit gegen jährlich Abgaben in Geld oder Naturalien verliehen. Es mußten besonders auch die unbeliebten Frondienste, die unbezahlte Arbeit für die jeweilige Herrschaft geleistet werden. Nur Bauernfamilien stellten die Schultheißen oder Dorfrichter. Durch die Realteilung wurden die Höfe mit der Zeit immer kleiner.

Die Kleinbauern unterschieden sich sehr stark, man nannte sie auch Seldner, Halbbauern und Hufner. Sie besaßen ein Haus, dazu einige Feldstücke, aber kein Zugvieh. Die Erträge reichten für den Lebensunterhalt nicht aus, daher mußten sie im Nebenerwerb als Taglöhner, Weber, Schuster, Schneider oder Korbmacher arbeiten.

Die unterste Stufe waren die Beiwohner, die auch Häusler genannt wurden. Im 15. Jahrhundert lebten sie nur in Miete; später durften sie kleine Häuschen an den Dorfrand bauen. Sie lebten nur vom Ertrag einzelner Gartengrundstücke, von Taglöhnerei und Nebengewerbe. Je mehr die Bevölkerungszahl stieg, um so größer wurde der Anteil an Kleinbauern und Häuslern. Noch im 18. Jahrhundert lag der Anteil bei 70 bis 80 Prozent.

1519 wurde Herzog Ulrich vom Schwäbische Bund unter der Führung der Habsburger vertrieben und die umliegenden Ämter, so auch Beilstein, wurden an Österreich verkauft.
Diese österreichische Herrschaft dauerte bis 1534.
Aus dieser Zeit existieren jedoch relativ umfangreiche Lagerbücher, die Personen- und Flurnamen enthalten. Zu Happenbach ist folgendes vermerkt:
Happenbach gehört gen Undernhöhenrüt
.....uff frytag nach Allerheiligentag = 4. Nov. 1524 haben wir, die verordnetten vorgnannt, die neuwerung zu Undern- und Obernhehnriet erneuwert und beschriben und erfunden wie hernach steet.
Obrigkeit:
Beid unsere allergnedigst und gnedigst herrn, als ertzhertzogen zu Osterreich und herrn des fürstenthumbs Wirtenperg, seint zu Unndern- und Obernhehenriet (recht herrn), haben daselbst und sover und wyt ir zehendt, zwing und benn gend und begriffen seint, alle oberkeit, herlichkiet, das gelait, gebot, verbot, frevell, staffen und büssen und sons nyemants anders. Etc. ut in forma der dörfer.

Als Schultheiß wird Simon Schmids angegeben. Dabei war auch Wendel Rysenklotz von Happenbach, der auch als Richter (Gemeinderäte waren damals auch für das Dorfgericht zuständig) zu Heinriet tituliert wird.

Gülten (Abgaben) aus einem Lehen
Lenhart Planck und Wendel Rysenklotz zinsen aus 1 Lehen 2 Malter Roggen, 2 O Malter Dinkel und 2 O Malter Haber, jeweils Heilbronner Meß und 1 alte Henne.
Güter: 2 Häuser, 2 Scheuern und 1 Hof, alles aneinander; insg. 28 Morgen 3 Viertel Äcker,
O - 11 Morgen groß; 1 Morgen Acker, der jetzt Garten ist, 16 O Morgen Wiesen, O - 8 Morgen groß; 1 Viertel Garten; 12 O Morgen Wald, 1 - 7 Morgen groß.
Flurnamen

genannt die Bronwiß, am Gerytacker, genannt die Graßwiß, am grossen Busch, Wald; im Grundacker; am Hasselrayen, Wald; genannt die Hewmad, Wiese; am Husamer Weg,; am Kelacker; im Kriechenpriel; an die Rottenstaig, Wiese; genannt die Stockwiß; stößt uff die Strassen; genannt der Wingartacker; genannt die Wingartwiß; genannt der Wydacker, Garten; genannt die Wydwiß; hinderm Wyler.

In einem Bericht des Amtmanns von Beilstein vom 28. November 1554 heißt es:
...„In der Stadt Beilstein und allen zugehörigen Weillern wurdt das Heilbronner meß undt Stutgarter Eiche prucht und schenkht man die alt Walheimer maß..... -
Gleicher gestalt hat Heinrieth mit den zway weillern Hapenbach und Vorhof auch sollich mäß wie verzeichnet ist.“
Jedoch wird am 8. Juli 1555 festgestellt:
..“Die zu Unt- und Oberhainrieth, Happenbach und zum Vorhof haben Haylpronn aymer und eich und deutschen herren maß“.

Getreidemaß:
a) Roggen- und Dinkelmaß
4 Vierling = 1 Simri oder Meß Achtel = 2,50401 Liter
8 Simri = 1 Malter Vierling = 5,00804 Liter
Meß = 20,03219 Liter
Malter = 160,26520 Liter
b) Hafermaß
Die Einteilung war dem Roggenmaß entsprechend, doch war das Haferviertel größer als das
Viertel beim Roggen. Man hatte also zwei Meßgerätegrößen.
Vierling = 6,18639 Liter
Meß = 24,74567 Liter
Moden = 197,92553 Liter
Flüssigkeitsmaß:
a) Helleichmaß
24 Maß = Eimer Maß = 1,40648 Liter
20 Eimer = Fuder Eimer = 36,74088 Liter
Fuder = 734,81786 Liter
b) Trübeichmaß
24 Helleichmaß = 20 trübe Köpfe Kopf = 1,91741 Liter
21 trübe Köpfe = trüber Eimer Eimer = 39,30700 Liter
21 Eimer Helleich = 20 Eimer oder Fuder = 783,14023 Liter
1 Fuder Trübeich
Längen- und Flächenmaß:
Längenmaße werden oft erwähnt, eine Vergleichung mit anderen Maßen ist nicht auffindbar. Erst 1806 werden Vergleichungen vorgenommen.
1 württ. Rute = 16 Schuh 1 Rute = 4,58384 m
1 Schuh = 12 Zoll 1 Schuh = 28,64902 cm
1 Zoll = 12 Linien 1 Zoll = 2,38741 cm
1 Linie = 12 Punkte 1 Linie = 1,98951 mm
Ein besonderes Maß im Unterland war die Faust. Die Faust wurde zu 4 Zoll gerechnet und betrug nach dem Heilbronner Zoll also 9,23628 cm.
Die Elle stand nicht, wie in anderen Ländern, in einem bestimmten Verhältnis zum Schuh, sie war ein willkürlich angenommenes Maß. Sie blieb auch bis zum 31. 12. 1871 in ihrer Länge erhalten. Elle = 2 Schuh, 1 Zoll, 4,4 Linien = 61,42351 cm

Das Grundmaß für die Flächen war die Rute.
256 Quadratschuh = 1 Quadratrute = 21,01122 m<
37 O Quadratruten = 1 Viertel = 7,87935 a
4 Viertel = 1 Morgen = 31,51744 a
1 O Morgen = 1 Tagwerk = 47,27617 a

Gewicht (Württemberg):
1 Centner = 100 pfundt = 46,771 kg
1 Pfundt = 32 Lot = 467,71 g
1 lot = 4 Quent = 14,61593 g
1 Quent = 4 Richtpfennig = 3,65397 g
1 Richtpfennig = 0,91449 g

Mit Hilfe der lutherischer Fürsten eroberte Herzog Ulrich von Württemberg 1534 sein Land zurück und führte sofort die Reformation ein. Dabei konnte er sich vor allem auf die Unterstützung des „Gemeinen Mannes“ verlassen, während sich die Oberschicht eher ablehnend verhielt. Auch die Grafen von Löwenstein folgten seinem Beispiel.

Happenbach gehört vermutlich bereits seit der Reformation zu Ev. Kirchengemeinde Untergruppenbach. Ob sich zu diesem Zeitpunkt noch Barfüßermönche im Happenbacher Kirchle hielten ist ungewiß. Es ist anzunehmen, daß die Kirche zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall noch stand und auch den Einfall der Spanier 1548 überdauerte und erst in der furchtbaren Ereignissen, um Heilbronn sind neben den Plünderungen und Vernichtung der umliegenden Dörfer über 500 Morgen Wald abgebrannt, des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) mit Happenbach unterging.
Noch 1586 gab es einen Vertrag zwischen dem Grafen von Löwenstein und der Stadt Heilbronn über den Grafenwald, dort wurde bestätigt, daß die Stadt Eigentümer des Waldes ist und der Graf lediglich das Jagdrecht hat.

Von der Brandschatzung und Vernichtung im Dreißigjährigen Krieg hat sich Happenbach nur sehr schwer und erst nach vielen Jahren wieder langsam erholt (Erwähnung zunächst als Happenhof), denn zu den Zerstörungen kamen noch Seuchen (Pest) und Hungersnöte. Allein in Württemberg hatten sich die Einwohnerzahlen auf ca. 15 % reduziert.

Aufgrund der geographischen Lage wurde unser Raum auch danach immer wieder in die Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und dem französischen Königshaus hineingezogen. Das ist die Zeit der Franzosenkriege die noch einmal große Not brachten. Die hiesige Bevölkerung war sehr stark davon betroffen, wie in den Gemeindeakten von Unterheinriet aus den Jahren 1693 -1697 nachzulesen ist. Vorspanndienste, Brückenholzfuhren, Quartierlasten, Zehrungen und Schanzarbeitsleistungen waren an der Tagesordnung. Der ehemalige Feldschütz Moser von Happenbach hat dem Heimatforscher Fr. Gutöhrlein aus Unterheinriet 1943 noch erzählt, daß in den Steinlesäckern, an der Markungsgrenze zu Happenbach früher unbebauter Wasen gewesen sei, auf dem noch in den Neunziger Jahren 3 oder 4 Schanzen aufgeworfen gewesen wären, deren Brustwehren sich offensichtlich gegen den Stettenfels gewendet hätten. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß in dieser Zeit der berühmte Türkenlouis in unserem Raum die deutsche Verteidigung organisiert hat.

Ab ca. 1770 suchten auch Happenbacher ihr Glück in der Emigration, zunächst in Richtung Süd-Rußland, später dann auch nach Nordamerika.
Bei der Neuordnung Südwestdeutschlands in der napoleonischen Zeit zu anfang des 19. Jahrhunderts erhielt Württemberg einen großen Gebietszuwachs. Nach der Verschmelzung von Alt- und Neuwürttemberg im Jahre 1806 wurde Heilbronn Sitz eines Kreises, dem die Oberämter unseres Raumes unterstellt waren - daraus wurde 1810 die Landvogtei am unteren Neckar. 1817 schließlich wurde das Königreich in 4 Provinzen eingeteilt, wobei das nördliche Württemberg dem Neckarkreis mit dem Sitz in Ludwigsburg zugewiesen wurde. Die Einteilung der alt- und neuwürttembergischen Gebiete wechselte einige Male, bis 1810 in der Hauptsache der Stand erreicht war, der dann bis zum Jahre 1938 Dauer hatte.

Erst 1806 kommt Abstatt ganz zu Württemberg und bildet für kurze Zeit mit Happenbach, Wildeck und Vohenlohe ein besonderes Patrimonialamt. Der erste Vorläufer der heutigen Gemeinde Abstatt.
Jedoch bereits nach kurzer Zusammengehörigkeit kommt die Gemeinde Happenbach am 27. Okt. 1810 zum Oberamt Heilbronn, Abstatt zum Oberamt Besigheim.
1831 ist die erste Nennung einer Happenbacher Schule in der heutigen Gaststätte Sonne.

Nachdem 1842 Abstatt ebenfalls zum Oberamt Heilbronn zugeschlagen wurde, bildete Happenbach und Abstatt aufgrund eines vertraglich geregelten Ortsstatuts eine zusammengesetzte Gemeinde mit jeweils juristischer Selbständigkeit, d. h. mit 2 Gemeinderäten und 2 Markungen. Gemeinsame Angelegenheiten werden in einem Gesamtgemeinderat beraten und beschlossen. Dieses Statut gilt im wesentlichen bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933/1934.
1866 wird die zweite Kirche/Kapelle in Happenbach, diesmal von der Methodistengemeinde gebaut. Die Einweihung erfolgt im Juli 1866.
Der Gemeinderat und Bürgerausschuß von Happenbach erstellt am 27. Januar 1868 ein Feur Ordnungs Protokoll für die Feuerwehr Happenbach (es werden darin 57 Feuerwehrmänner namentlich erwähnt). Es könnte sich um die offizielle Gründung einer bereits vorhandenen Feuerwehr Happenbach gehandelt haben.

1886 - In einer Auflistung der Berufsgruppen der Gemeinde Happenbach werden 47 Bauern, 35 Steinbrecher, 25 Handwerker (Bäcker,Schuhmacher, Korbmacher, Weber, Schneider, Sattler), 4 Industriearbeiter und 4 Sonstige (Methodistenprediger, Predigtsamtkandidat, Amtsdiener und 1 Musikus) genannt.

1909 - Die Teilgemeinde Happenbach (247 Einw.) und die Teilgemeinde Abstatt (666 Einw.) sind Mitbegründer des Gemeindeverbands der Schozachgruppe, die auch heute noch besteht und für die Wasserversorgung zuständig ist.

1934 - Das zwangsweise Ende der selbständigen Teilgemeinde Happenbach durch Diktatur. Das von beiden Teilgemeinderäten Abstatt und Happenbach noch am 27. Febr. 1931 einstimmig bestätigte bisherige Statut wird von den Nationalsozialisten ( Gemeinderäte wurden von der Bevölkerung nicht direkt gewählt) einseitig aufgehoben. Wobei kurioser Weise aus formalen Gründen am 20. Dez. 1933 die Gesamtgemeinde nur noch aus der Teilgemeinde Happenbach und dem Teilort Abstatt besteht. Nach dem Kriege wurde diese für die Teilgemeinde Happenbach doch recht gravierende Regelung kommentarlos beibehalten.


(Text im Original aus Gesamtgemeinderatsprotokoll S. 864 und 865
abbilden - danach dann die lesbare Übersetzung)

Verhandelt am 20. Dezember 1933
§ 1
Mit Erlass vom 6. Okt. 1933 an das Oberamt Heilbronn Nr. 3038 hat die Ministerialabteilung für Bezirks- und Körperschaftsverwaltung Stuttgart angeordnet, daß die Teilgemeinde Abstatt nach Art. 322 Abs. 1 GO ihre Selbständigkeit auf 1. April 1931 verloren habe, da sie binnen der in Art. 323 Abs. 1 GO gesetzten Ausschlußfrist beim Gesamtgemeinderat keinen schriftlichen Antrag auf Aufrechterhaltung gestellt habe. -
Die Gesamtgemeinde Abstatt bestehe sonach noch aus dem Teilort Abstatt u. der Teilgemeinde Happenbach.

Wenn es dem Oberamt nicht gelinge, die Teilgemeinde Happenbach zum sofortigen Verzicht auf ihre Selbständigkeit zu bringen, müsse sie bei der vorliegenden finanziellen Lage durch die Macht der Verhältnisse dazu gezwungen sein. -

Dies bedeutet, daß Happenbach keinerlei Reichszuschüsse, Staatszuschüsse für Lehrerbesoldungsleistung und Zuschüsse aus dem Ausgleichssstock erhalten kann. -
Wenn Happenbach keinerlei Reichszuschüsse erhält, muß die Umlage die 1933 -: 24 % beträgt, für 1934 auf mindestens 40 % erhöht werden. Dies ist für die Steuerzahler untragbar -
Text wurde nachträglich gestrichen

Die beiden Teilgemeinden (gestrichen) Teilorte Abstatt und Happenbach werden deshalb mit sofortiger Wirkung vereinigt, da eine Trennung wegen der ineinandergreifenden Akten die für beide Teilorte auf dem Rathaus Abstatt geführt werden, gänzlich unmöglich ist. -
Mit Wirkung des 1. April 1934 gehen die Vermögen der beiden Gemeinden in eine Kasse über. -
Mit diesem Zeitpunkt wird eine Rechnung geführt werden.

Nachträglich eingefügter Text / gültig:
Nach eingehender Beratung wird heute einstimmig folgend
Vereinbarung:
beschlossen:
1.) Die Teilgemeinde Happenbach wird mit Wirkung vom 1. April 1934
aufgehoben.
2.) Ihr Bezirk geht im Bezirk der bisherigen Gesamtgemeinde auf. -
Ihr Vermögen, ihre Rechte u. Lasten gehen mit dem 1. April 1934
auf die bisherige Gesamtgemeinde über. -
3.) Vom 1. April 1934 ab bildet die Gemeinde Abstatt eine einfache Gemeinde, die aus den Teilorten Abstatt u. Happenbach besteht und für die eine einheitliche Rechnung geführt wird.

Nachdem am gleichen Sitzungstag auf Grund Erlasses des Württ. Innenministeriums vom 7. Juli 1933 auch der letzte gewählte, nicht in die „nationale Erhebung“ passende Happenbacher Gesamtgemeinderat Albert Klemm aus dem Gemeinderat entfernt wurde, war das Ende der juristisch selbständigen Teilgemeinde Happenbach besiegelt.

© mschö/ 03/1999

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