Happenbach Geschichte 1

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Geschichte und Geschichten


Die Situation und das Selbstverständnis der Happenbacher

v. Martin Schönfeld


Zusammenfassend ist festzustellen, daß historisch betrachtet Happenbach sicherlich von den Franken gegründet wurde, die mit umfangreichen Rodungen unser Gebiet urbar machten und besiedelten. Ein wichtiger Grund war das gute Quellwasser in Happenbach. In einer Oberamtsbeschreibung wird berichtet, daß die Bezirksorte reich an gutem Trinkwasser sind. Starke und gute Quellen sind: In Happenbach am südlichen Ende des Orts im Wiesenthal, die „Rese“. Ältere Menschen haben auch nach dem 2. Weltkrieg bei Wassermangel in der Rese Wasser für den Haushalt geholt. Diese Erinnerung war auch ausschlaggebend, daß bei der Gestaltung des Dorfplatzes in jüngster Zeit erfolgreich nach Quellwasser gebohrt wurde.

Nicht nur bis zum Aussterben der Herren von Unterheinriet, sondern darüber hinaus, war Happenbach sehr eng mit Unterheinriet verbunden. Interessant ist es, daß Happenbach, als doch relativ kleines Dorf politisch unterschiedlichen Herrschaften zugehörte - so gehörte nach 1504 ein Teil direkt zu Württemberg (Amt Beilstein) und ein Teil wie ganz Abstatt zur Grafschaft Löwenstein (Mannlehen von Württemberg). Warum Happenbach kirchlich seit jeher zu Gruppenbach gehörte, mit dem es politisch nicht verbunden war, bleibt rätselhaft und ist noch zu ergründen. Im Rahmen der jüngsten Verwaltungsreform in den 70er-Jahren gab es zwar seitens der Happenbacher Bürgerschaft starke Bestrebungen (Unterschriftenaktion) sich auch politisch nach Untergruppenbach zu orientieren, doch hatten sie keinen Erfolg. Unabhängig davon verlaufen aber die kirchlichen Dekanatsgrenzen Marbach - Heilbronn zwischen Abstatt und Happenbach.

Aufgrund der durch Napoleon bedingten Neuordnung von Württemberg kam Abstatt und Happenbach 1806 politisch für 4 Jahre erstmals zusammen um sich anschließend wegen unterschiedlicher Oberamtszugehörigkeit (Happenbach - Heilbronn, Abstatt - Besigheim) bis zum Jahre 1842 wieder zu trennen. Von 1842 bis 1934 lebten die beiden Orte als selbständige Teilgemeinden, verbunden durch ein immer wieder erneuertes Ortsstatut, jeweils selbständig zusammen. Wie aus den Ratsprotokollen zu entnehmen ist, hatte sich dieses Statut reibungslos bewährt und wurde deshalb vom Gesamtgemeinderat turnusgemäß einstimmig erneuert.
Die Machthaber des „1000jährigen Reiches“ beendigten das genannte Statut. 1934 erfolgte die vom Innenministerium (Württemberg) angeordnete zwangsweise Eingemeindung nach Abstatt. 65 Jahre Teilort der Gemeinde Abstatt ist in Relation zum Alter des Dorfes (ca. 1000 Jahre) eine relativ kurze Zeit. Happenbach hat trotz vielerlei Berührungspunkten mit den Nachbarorten seine eigene unverwechselbare Geschichte. Dies ist sicherlich auch ein Grund dafür, daß es den Happenbacher bis heute an Selbstbewußtsein nicht mangelt.
Hinzu kommen noch andere Gründe:

1.Vielerlei Herren zu dienen - unterschiedliche politische, kirchliche und gesellschaftliche
Zugehörigkeiten schärfen auch das Rechtsbewußtsein.
So berichtet Karl Stöffler in seinen Heimaterinnerungen, daß um die Jahreswende des 17.
zum 18. Jahrhundert ein Happenbacher im Landtag in Stuttgart war und sich die männliche
Einwohnerschaft abends bei ihm versammelte, um Neues zu erfahren..
Auch heute gibt es mit Wolfgang Bebber wieder einen Landtagsabgeordneten in
Happenbach, mit dem man sich nicht nur beim jährlichen Treffen am Dorfbrunnen über die
politische Situation informieren kann.

2. Keine direkte „politische und kirchliche Obrigkeit“ im Dorf zu haben, ist auch ein Stück
Freiheit. Es gibt kein Rathaus, Pfarrhaus oder Kirchturm und damit „laufen einem“ auch die
jeweiligen Amtsinhaber in Happenbach nur gelegentlich „über den Weg“ und dann nicht als
Dorfbewohner (Happenbacher), sondern als (fremde) Amtspersonen.

3. Die Happenbacher sind aufgrund der Zahlenverhältnisse nicht in der Lage diese
genannten Amtspersonen allein bzw. selbst zu bestimmen. Daraus resultiert auch ein bis
heute vorhandene Grundskepsis gegenüber der Obrigkeit, die nicht so ohne Weiteres aus der
Welt zu schaffen ist.

4. Ein im Vergleich zu Abstatt größerer Teil der Bevölkerung war aufgrund der relativ
kleinen Markungsfläche seit alters her gezwungen, seinen Unterhalt auswärts, zunächst als
Steinbrecher in den Heilbronner Steinbrüchen, später in dem wachsenden Angebot an
Arbeitsplätzen in Heilbronner Industriebetrieben zu verdienen. Dies bedeutete Kontakt mit
der „Außenwelt“ und damit auch eine Horizonterweiterung. Dieser Sachverhalt schlägt sich
in einem für ein kleines Dorf recht „städtisches Wahlverhalten“ nieder - so war der
Stimmenanteil der Sozialdemokraten gegenüber dem mehr bäuerlich geprägten Abstatt mit bis
zu 50 % traditionell sehr hoch. Nicht von ungefähr kommt daher, daß das erste SPD-
Ratsmitglied in der Gemeinde (1934) ein Happenbacher Bauer und Weingärtner
war, obwohl es dazumal keine Ortsvereine der Parteien gab.

5. Drei dörfliche Institutionen haben das Verständnis der Happenbacher in der Vergangenheit
sehr stark geprägt:

a) die Volksschule Happenbach
Generationen von Happenbachern haben bis 1965 im Ort die Einklassen-Volksschule
besucht. Die Namen der Lehrer, von Riexinger, Haas, Limbach u. v. a., sind bis heute
geläufig. Diese heute nicht mehr existierende eigenständige „Lerngemeinschaft“, hatte einen
hohen sozialen Stellenwert (Ältere lernten mit den jüngeren Schülern) und war nicht nur
deshalb pädagogisch äußert wertvoll. In dieser Einklassenschule lernte man nicht nur Lesen
und Schreiben, sondern es war auch Schule für`s Leben. Ich habe trotz Nachfragens und aus
eigenem Erleben nicht gehört, daß ein Schüler eine Klasse wiederholen mußte.
Schüler dieser für heutige Verhältnisse „rückständigen Schule“ haben es vom Erfinder und
Ingenieur, Geschäftsführer, Pfarrer, Oberbürgermeister bis zum Professor gebracht.

b) die Feuerwehr Happenbach
Selbstverständlich nahezu jeder erwachsene Mann gehörte der Freiwilligen Feuerwehr im
Dorf an. Dort wurde nicht nur für einen eventuellen „Brandfall“ geübt, sondern auch die
örtlichen Probleme und Geschehnisse wurden unter Männern besprochen und kommentiert.
Unabhängig vom Berufsstand, ob Arbeiter, Beamter oder Bauer, war es Pflicht und
Ehrensache dabei zu sein. Eine wichtige dörfliche Angelegenheit war es deshalb in jüngster
Zeit, daß sich die Happenbacher Feuerwehr als Abteilung in der Gesamtfeuerwehr Abstatt
eine gewisse Eigenständigkeit bewahren konnte.

c) die Methodistenkirche Happenbach
Auch wenn die Methodistenkirche (heute ev.-meth. Kirche) eine relativ junge Geschichte im
Dorf hat, so hat sie über das kirchliche Leben hinaus bewußt oder unbewußt sehr starke
Einflüsse auf Happenbach gehabt. In früherer Zeit ging jedes Kind, gleich welcher
Konfession zur Sonntagsschule und unvergessen sind vor allem die Kinderweihnachtsfeiern
mit den Krippenspielen in der Kapelle. Die vielfach ausgewanderten Happenbacher
Methodisten haben nicht nur in Notzeiten Kontakt zur alten Heimat gehalten und aus
der neuen Welt berichtet und erzählt. Über das Dorf hinaus bekannt wurde vor allem der
Posaunenchor Happenbach mit seinem Dirigenten Richard Bäuerle. Da Richard Bäuerle
auch Geschäftsführer des BCPD-Noten-Verlags (Bund christlicher Posaunenchöre
Deutschlands) war, hatte dieser seinen Sitz wie in allen Notenausgaben vermerkt ist, in
Happenbach.

6. Happenbach liegt in der Mitte der drei mehr oder weniger dominanten Ortschaften
Untergruppenbach, Abstatt und Unterheinriet. Zu allen Nachbarorten gibt es vielerlei
Beziehungen. Nach der Eingemeindung von Unterheinriet nach Untergruppenbach ist
Happenbach zwar geographisch der Mittelpunkt der Gemeinde Untergruppenbach,
gehört jedoch politisch zu Abstatt. Diese für ein kleines Dorf recht ungünstige Konstellation
hat das Bewußtsein eher gestärkt als geschwächt, wie Hermann Hahn in seinem
Happenbacher Lied treffend gedichtet hat: „...O Happenbach, so mitten drin, nur dir gehört
mein Herz und Sinn...“. Bei Happenbacher Festen sind die Nachbarn auch immer gern
gesehene Gäste.

Es erstaunt deshalb nicht, daß viele ausgewanderte oder aus welchen Gründen auch immer weggezogene Happenbacher nicht nur persönlich, sondern auch in Gedanken immer wieder zurückkehren, um nach „ihren Wurzeln“ zu suchen. Nur so ist es zu erklären, daß längst
fortgezogene und im Ort zum Teil selbst kaum mehr bekannte „Urhappenbacher“ im fortgeschrittenen Alter Erinnerungen über Happenbach aufschreiben, die mit Anerkennung - E. Härle, Ilsfeld: „...Happenbach hat bewiesen, daß eine große Kraft in ihm steckt...“, oder einem Vermächtnis - K. Stöffler, USA: „...Bleib als ein einig Völklein stark und wach...“ verbunden sind.

Der derzeit als Pfarrer in Langenau lebende H. U. Agster hat 1986 das Happenbacher Selbstbewußtsein in einer Festrede wie folgt beschrieben: „...wir sind nicht nur eine Verwaltungseinheit! Wir trauen uns etwa zu, unabhängig von allen Bestrebungen, Menschen in einer Massengesellschaft noch mehr zu entmündigen...“.

Dankenswerter Weise haben die genannten Autoren es erlaubt, diese Erinnerungen bzw. Redeauszüge im Heimatbuch zu veröffentlichen.


© mschö/04/99

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